Kriegswelten – Friedenskulturen?
 
Das Verhältnis einer Bevölkerung zum Militär ist ambivalent. In den eigenen Armeen kristallisieren sich die Hoffnungen einer Bevölkerung auf Sicherheit ebenso wie ihre Furcht vor einem Krieg. Entsprechend ergeben Meinungsumfragen in Friedenszeiten immer eine deutliche Ablehnung von Kriegen, während pazifistische Einstellungen, wenn die eigenen Interessen bedroht scheinen, wie Schnee in der Sonne schmelzen. Auch für die kapitalistische Wirtschaft bringt ein Krieg nicht nur Gewinn, denn Handel braucht Frieden.

Während jedes Kind konkrete Vorstellungen von Krieg hat, fehlen uns die Worte, um Frieden zu beschreiben. Wir kennen die Kriegshelden früherer Jahrhunderte und die Generäle des Zweiten Weltkrieges. Wer aber kennt die Urheber von Friedensplänen und, ausser Gandhi oder Martin Luther King, fällt uns kein Pazifist ein. Doch immer gab es auch andere Formen der Konfliktaustragung wie Verhandlungen, Verträge, Heiraten und Zweikämpfe. Nicht zuletzt ist die europäische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg ein gutes Beispiel, wie mit Hilfe von zivilen Organisationen wie der KSZE und OSZE Kriege verhindert werden konnten (Ost-West Konflikt, Baltikum).

Nicht nur die geringe Verbreitung des Wissens über sogenannte Gewaltfreie Konfliktlösungen erschwert die Entwicklung einer Friedenskultur, sondern auch die Tatsache, dass ein dauerhafter Frieden unvereinbar ist mit einer expansiven Kultur (neoliberales Dogma vom Wirtschaftswachstum, christliches Missionsgebot, Bevölkerungswachstum patriarchaler Gesellschaften). Frieden erfordert soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung.

 
 
PDF Download : «Kriegswelten – Friedenskultur?»
 
zurück zur Übersicht Kernthesen »
 
 
 
nach oben | © Marianne Müller-Brettel | letztes Update: 14.07.2010