Böse Triebe – Gute Moral?
 
Kriege entstehen im Geist der Menschen (www.unesco.de), sie sind in erster Linie das Ergebnis bewusster Entscheidungen, nicht aggressiver Impulse (www.unesco.org/cpp/uk/declarations/seville.pdf). Viele Kriege sind mit moralischen Argumenten geführt, noch keiner ist mit moralischen Argumenten beendet worden. Ethische Überzeugungen können dazu führen, Kriege zu befürworten (Gebot, Freiheit und Demokratie mit Waffengewalt durchzusetzen; Gerechter Krieg in der christlichen Ethik), wogegen angeborene Instinkte die Kriegsbereitschaft senken können (Tötungshemmung; Angst vor Tod und Zerstörung). Tugenden wie Loyalität dem eigenen Land gegenüber und Opferbereitschaft für Familie und Vaterland tragen weit mehr zur Kriegsbereitschaft bei als individuelle Gewaltbereitschaft oder militaristische Einstellungen.

Kriege sind komplexe soziale Prozesse, die sich nicht monokausal erklären lassen. Sie sind, wie Tolstoi in seinem 1868/69 erschienen Roman ‚Krieg und Frieden‘ beschreibt, Ausdruck gesellschaftlicher Bewegungen, die sich aus vielen Quellen speisen, die jede für sich scheinbar belanglos, einen winzigen Beitrag zum Krieg leisten und erst in ihrem massenhaften Zusammenwirken Kriege erzeugen. Kleinste Veränderungen (einzelne Persönlichkeiten, Zufälle, kulturelle Eigenheiten) können darüber entscheiden, ob ein Krieg ausbricht oder es gelingt ihn zu verhindern. Kriege folgen in der Regel nicht der Logik zweckrationaler Entscheidungen, sondern entstehen und verlaufen eher nach den Prinzipien des deterministischen Chaos.

 
 
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nach oben | © Marianne Müller-Brettel | letztes Update: 14.07.2010